Im Winter 2025/2026 haben wir mit der Umsetzung des Projekts «Biodiversität im Offenland» begonnen. Mit grosser Freude möchten wir Ihnen einen Einblick in die bisher umgesetzten Massnahmen und die ersten sichtbaren Erfolge geben und folgen dabei dem Wasser von seiner Quelle bis zum untersten Weiher in der Weihnachtsbaumkultur.
Bereits im Winter konnten wir dank der günstigen Wetterbedingungen mit den Holzereiarbeiten starten. Der Waldrand wurde gezielt gelichtet und verjüngt, wodurch wertvolle neue Strukturen entstanden sind. Das dabei anfallende Kleinmaterial haben wir zu grossen Asthaufen aufgeschichtet. Diese bieten zahlreichen Tierarten, Insekten und Käfern wichtige Rückzugsorte und Lebensräume und sind bereits heute ein sichtbarer Gewinn für die Artenvielfalt.
Ganz oben entstand ein Meteogewässer, das ausschliesslich durch Regenwasser und das abfliessende Wasser der Waldstrasse gespeist wird. Entlang des Waldrands folgen verschieden grosse Weiher mit ganz unterschiedlichen Eigenschaften: Einige dürfen zeitweise austrocknen, andere führen dauerhaft Wasser. Verbunden werden sie durch einen speziell angelegten Bachlauf. Dieser wurde mit Steinen strukturiert und so gestaltet, dass sich immer wieder kleine Senken bilden, in denen Wasser stehen bleibt. Dadurch entstehen auf engstem Raum feuchte und trockene Abschnitte, was eine beeindruckende Vielfalt an Lebensräumen ermöglicht.
Gerade diese Dynamik ist für viele Amphibien und Insekten besonders wertvoll. Trocknen Gewässer zeitweise aus, verschwinden auch viele Fressfeinde. Davon profitieren beispielsweise Gelbbauchunken und zahlreiche andere Arten. Die beiden untersten Weiher bilden bei hohem Wasserstand gemeinsam ein grosses Gewässer. Während der tiefere Weiher dauerhaft Wasser führen sollte, erwärmt sich der flachere obere Weiher deutlich schneller – ideale Bedingungen für Amphibien wie den Glögglifrosch. Umso grösser war unsere Freude, als wir dort bereits einen Glögglifrosch entdecken konnten, obwohl diese Art an diesem Ort eigentlich gar nicht vorkommt.
Direkt neben den unteren Weihern entstand zudem ein Sägemehlhaufen. Durch die natürliche Vergärung entwickelt er Wärme und schafft damit ideale Bedingungen für Ringelnattern, Frösche und Kröten. Solche Strukturen zeigen eindrücklich, dass Amphibien und Reptilien einen grossen Teil ihres Lebens nicht im Wasser, sondern an geschützten Orten in dessen Umgebung verbringen.
Die Wiese entlang des Bachlaufs wurde gefräst und anschliessend mit einer Wildbienen-Blumenmischung angesät. Bereits heute können wir uns gut vorstellen, wie wertvoll dieser Lebensraum in wenigen Jahren sein wird. Eine ältere Vergleichsfläche weiter unten zeigt eindrücklich, welches Potenzial darin steckt: Wilder Thymian, Glockenblumen, Disteln und viele weitere Pflanzen bieten dort Nahrung und Lebensraum für eine Vielzahl von Insekten. Besonders die Disteln sind wahre Magneten für Wildbienen, Honigbienen, Käfer und viele andere Bestäuber. Wer genau hinsieht, entdeckt hier ein faszinierendes Schauspiel des Lebens – Nahrungssuche, Bestäubung und das ständige Wechselspiel von «Fressen und Gefressen werden».
Auf der gegenüberliegenden Seite des Bachs haben wir zahlreiche Kleinstrukturen geschaffen. Aus vorhandenem Material entstanden Steinhaufen, Asthaufen, stehendes und liegendes Totholz sowie Sandhaufen. Besonders erfreulich ist, dass sich in den Sandflächen bereits die ersten Wildbienen-Nester entdecken lassen. Dabei verwenden wir speziellen, grabfähigen Sand, der nicht zusammenfällt und den Insekten ermöglicht, stabile Bruthöhlen anzulegen.
Auch bei den Totholzstrukturen zahlte sich die sorgfältige Planung aus. Bereits im Winter konnten wir geeignetes Holz zurückbehalten und gezielt einsetzen. Neben dem unteren Weiher liegt beispielsweise ein Stamm, der bereits von Pilzen besiedelt wird und vorhandene Spechtlöcher aufweist. Solche Strukturen bieten ideale Verstecke für Fledermäuse, Feuersalamander und zahlreiche weitere Arten. Daneben steht ein mächtiger Wurzelstock, der für Kleintiere ein wahres Paradies darstellt. Sonnige und schattige Bereiche, trockene und feuchte Stellen sowie kleine Wasseransammlungen schaffen auf kleinstem Raum eine aussergewöhnliche Vielfalt. Gerade solche Wurzelstöcke sind in der heutigen Forstwirtschaft selten geworden und stellen deshalb besonders wertvolle Strukturen dar.
Ein weiterer erfreulicher Entwicklungsschritt ergab sich beinahe zufällig: Unterhalb der unteren Weiher haben wir innerhalb der Weihnachtsbaumfläche zwei zusätzliche Weiher angelegt. Die örtlichen Gegebenheiten boten sich dafür ideal an, und so konnten wir das Projekt um weitere wertvolle Lebensräume erweitern. Einer der Weiher wurde vorwiegend mit groben Steinen gestaltet, der andere mit kleineren Strukturen. Dadurch entstehen vielfältigVersteckmöglichkeiten für Amphibien, die sich untereinander ebenfalls als Räuber und Beute begegnen.
Von dort fliesst das Wasser weiter in einen bereits fünfjährigen Weiher, der von einer artenreichen Wildblumenwiese umgeben ist. Hier werden Pflanzen, die wir in unseren Gärten oft als unerwünscht betrachten, zu wertvollen Nahrungsquellen und Nistplätzen für zahlreiche Insekten. Besonders faszinierend ist zu beobachten, wie sich die verschiedenen Arten gegenseitig regulieren und ein natürliches Gleichgewicht entsteht. Das Wasser gelangt über ein erhöhtes Rohr in den Weiher und wird dabei mit Sauerstoff angereichert. Solche offenen Gewässer sind in unserer Kulturlandschaft selten geworden und daher von grosser Bedeutung für Libellen, Wasserinsekten und sogar Vögel wie Amseln, die hier regelmässig zum Trinken vorbeikommen.
Schon jetzt dürfen wir auf einen äusserst erfolgreichen Projektstart zurückblicken. Wasserläufer, Rückenschwimmer und Libellen haben die neuen Gewässer bereits besiedelt. Wildbienen nutzen die geschaffenen Strukturen, und die angesäten Blumenflächen entwickeln sich hervorragend. Besonders erfreulich ist, dass all dies bislang mit rund 40 % der gesprochenen Stiftungsgelder umgesetzt werden konnte.
Nicht nur die Tier- und Pflanzenwelt profitiert von den Massnahmen: Auch die Bevölkerung zeigt grosse Begeisterung für das Projekt. Erste Informationsveranstaltungen stiessen auf reges Interesse, und die drei neu aufgestellten Infotafeln werden von Besucherinnen und Besuchern intensiv genutzt. Immer wieder erhalten wir positive Rückmeldungen von Waldbesucherinnen und Waldbesuchern. Auch der bewirtschaftende Landwirt steht voll hinter dem Projekt und würde bereits heute gerne weitere Flächen für ökologische Aufwertungen zur Verfügung stellen.
Im Herbst werden wir gemeinsam mit dem Bewirtschafter die nächsten Schritte planen. Auf der oberen Wildblumenfläche sollen seltene Obstsorten von ProSpecieRara gepflanzt werden und das bestehende Mosaik an Lebensräumen zusätzlich bereichern.
Die bisherigen Erfolge stimmen uns äusserst zuversichtlich. Bereits nach kurzer Zeit sind wertvolle neue Lebensräume entstanden, die von zahlreichen Arten angenommen werden. Mit grosser Spannung verfolgen wir, welche weiteren Tiere und Pflanzen sich in den kommenden Monaten und Jahren ansiedeln werden.
Von Herzen danken wir Ihnen für Ihr Vertrauen und Ihre grosszügige Unterstützung. Sie ermöglichen es uns, ein aussergewöhnlich wirkungsvolles Projekt umzusetzen und einen nachhaltigen Beitrag zur Förderung der Biodiversität zu leisten. Wir freuen uns sehr darauf, Sie zu gegebener Zeit persönlich vor Ort begrüssen zu dürfen und Ihnen die entstandenen Lebensräume zu zeigen.
